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… so war der Titel unserer Abendveranstaltung am 17.5.2018 überschrieben.

Als sachkundige Diskutanten waren auf dem Podium:

Christoph Kannengießer, Hauptgeschäftsführer des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft,

Jean-Luis Guigou, Generalbeauftragter und Gründer des „ Institut de prospective économique du monde méditerranéen“ (IPEMED, Paris)
sowie
Aliou Diallo, Kandidat der Alliance Démocratique pour la Paix – Maliba für die Präsidentschaftswahlen 2018 in Mali,
Johannes Selle – Mitglied des Deutschen Bundestages und Mitglied des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Der Blick auf die Statistik zeigt, dass der afrikanische Kontinent für europäische Unternehmen im Allgemeinen und deutsche im Besonderen nach wie vor eine nachgeordnete Rolle in den internationalen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen spielt. Gerade einmal 2 % des deutschen Außenhandels (sowie Ex- als auch Importe) entfallen auf den gesamten afrikanischen Kontinent. Dabei werden ¾ ausschließlich mit nordafrikanischen Staaten und der Republik Südafrika realisiert – der Rest des Kontinents spielt nahezu keine Rolle. Bei Investitionen sieht es ähnlich aus. Während weltweit etwa 110.000 deutsche Firmen im Ausland aktiv sind, sind es auf dem gesamten afrikanischen Kontinent nur knapp 1.000; 600 davon sind im Afrikaverein der Deutschen Wirtschaft organisiert. Diese nüchterne Bilanz zog DAV-Chef Kannengießer in seinem Eingangsstatement.

Etwas besser – aber dennoch weit unter den Möglichkeiten steht es um die Außenhandel- und Wirtschaftsbeziehungen Frankreichs mit Afrika – wobei französische Unternehmen wesentlich stärker dort investieren.

Dennoch – verglichen mit dem Engagement von Ländern wie China, Indien, den USA oder der Türkei – spielen Deutschland und Frankreich eine eher untergeordnete Rolle. Dabei hätten beide Länder (zusammen) alle Möglichkeiten, interessante Perspektiven für anstehende Infrastruktur- oder Energieversorgungsprojekte zu bieten. So forderte schon Anfang 2016 der BDI einen „Paradigmenwechsel in den Wirtschaftsbeziehungen zu Afrika“ mit dem Hinweis auf „nachhaltige Investitions- und Arbeitsplatzförderungen“ …. Einen Umstand, den auch Aliou Diallo anmahnte – könnte dies doch ein signifikanter Wettbewerbsvorteil gegenüber den traditionellen und auf Dumping fokussierten Strukturen à la China und Indien sein.

Sicherlich erschweren fehlende lokale Märkte und Handelsstrukturen das Geschäft einzelner Firmen und Investoren – jedoch auch diese sind gestaltbar – ganz im Interesse einer nachhaltigen Entwicklungspolitik, von der letztendlich Afrika und Europa profitieren können. Von den Auswirkungen auf die langfristige und nachhaltige Eindämmung von Flüchtlingsströmen ganz zu schweigen ….

Und wenn man sich geostrategische Strukturen anschaut, die in den letzten 20 Jahren entstanden sind, so erkennt man eine zunehmende Nord-Süd-Kooperation in anderen Regionen – die sogenannten „Orangenscheiben“, wie sie Jean-Louis Guigou beschreibt. Dies sieht man anschaulich an zunehmender Wirtschaftskooperation zwischen Nord-, Mittel und Südamerika, im asiatisch-pazifischen Raum … nur eine Orangenscheibe scheint sich nicht entfalten zu wollen – die von Europa über den Mittelmeerraum nach Afrika. Eine Zukunftsaufgabe, der sich z.B. Frankreich und Deutschland annehmen könnten/sollten/müssten – darin waren sich zumindest die o.g. Experten einig! Der DFWK wird diese Thematik auf seiner Agenda lassen …. Fortsetzung folgt!

Joachim Bitterlich verband die Referate in diesem Sinne mit der – nicht nur an Deutschland und Frankreich, sondern an die EU insgesamt gerichtete – politischen Forderung, die europäische Entwicklungspolitik gegenüber Afrika strategisch grundlegend zu überdenken. Notwendig sei künftig eine „ganzheitliche“, zumindest konzertierte, wenn nicht sogar gemeinsame Politik gegenüber dem großen Nachbarn im Süden. Dafür sei jetzt der richtige Zeitpunkt, zumal spätestens 2020 das Cotounou-Abkommen neu verhandelt werden müsse.