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Mit 80 Gästen war die Diskussionsveranstaltung des Deutsch-Französischen Wirtschaftskreises (DFWK) sehr gut besucht. Das Thema Start-ups passte hervorragend zu den attraktiven Räumlichkeiten von COMATCH im Dachgeschoss der alten Schultheiss-Brauerei in Moabit. Der Industriecharme des umgebauten Areals war gepaart mit Start-up-typischen Utensilien wie Hängematten, einem Kicker oder Dart-Scheiben. So hatte sich ein auffallend jüngeres Publikum dort eingefunden, wo die COMATCH-Mitarbeiter ansonsten neue Ideen schmieden oder einfach Zerstreuung von der Arbeit finden.

Unter dem bunt gemischten Teilnehmerkreis befanden sich etablierte Vertreter aus Politik und Verwaltung sowie Repräsentanten von Großunternehmen. Dazu waren Investoren und Start-ups eingeladenen, um sich über den aktuellen Stand der deutsch-französischen Kooperationen bei Unternehmensgründungen und -finanzierungen auszutauschen.

Eingeleitet wurde die Veranstaltung von den Vorstandsmitgliedern des DFWK, Bénédicte de Peretti, Inhaberin der deutsch-französischen Beratungsfirma B2P Communications und Robert Langenbach, Co-Organisator und Leiter des internationalen Geschäfts bei COMATCH. Bénédicte de Peretti rekapitulierte die aktuelle Lage der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Frankreich und betonte, dass es der DFWK als seine Aufgabe betrachte, diese mit Leben zu füllen. Angesichts der geplatzten Fusion zwischen Siemens und Alstom nannte sie die von den Wirtschaftsministern Bruno Le Maire und Peter Altmaier vorgestellte Industriestrategie „eine gute Nachricht, auf die nun neue Projekte und konkrete Aktionen folgen müssen“.

Anschließend erläuterte der Gastgeber und Gründer von COMATCH, Dr. Jan Schächtele kurz die Entstehung von COMATCH. 2014 gegründet bietet der heute international aktive und in Europa führende Online-Marktplatz für unabhängige Unternehmensberater Zugriff auf mehr als 7.000 hochqualifizierte Top-Managementberater und Industrie-Experten.

Im ersten Panel diskutierten Moritz Hau (Ex- Manager DACH bei Zalando und Gründer des Start-ups Eigensonne), Christoph Maire (Gründer von Atlantic Labs und Early Stage Investor) und Thierry Baujard (Gründer von MediaDeals und Co-Gründer von SpielFabrique) über die frühe Entwicklungsphase eines Start-ups und damit verbundene Herausforderungen der Unternehmensgründung. Die Moderation übernahm die Journalistin Cécile Calla, die ehemalige Deutschlandkorrespondentin von Le Monde. In der Diskussion wurden neben finanziellen Aspekten auch kulturelle Gemeinsamkeiten von Start-ups in Deutschland und Frankreich beleuchtet. In diesem Zusammenhang kam zur Sprache, dass es „mehr Gemeinsames als Trennendes“ zwischen Start-ups beider Länder gebe. Deshalb biete sich eine verstärkte Kooperation zwischen jungen Unternehmen aus Deutschland und Frankreich nahezu an. Allerdings seien Projekte wie die von Thierry Baujard, der Entwickler von Computerspielen aus beiden Ländern zusammenbringen möchte, äußerst selten. Im Gespräch stellten die Diskutanten außerdem fest, dass die deutsche und französische Start-up Szenen immer noch ein sehr stark männlich geprägtes Milieu sei. „Auch wenn Sie in einem Start-up Personen aus 35 verschiedenen Ländern haben, sie sind höchstwahrscheinlich alle männlich“, bemerkte beispielsweise Moritz Hau.

Im zweiten Panel kam die Wachstumsphase eines Start-ups unter dem Motto „Challenges of Growth“ zur Sprache, Clément Favier, (Managing Director von Adikteev), Fritz Trott (CEO und Founder von Zenjob) und Stephanie Griffiths (CMO bei FFYN, einem Fintech) diskutierten miteinander. Als Moderator fungierte Bernhard Ney (Managing Director Frankreich bei COMATCH). „Ein Start-up zu gründen fühlt sich so ähnlich an, als wäre man wieder ein Kind. Egal was Du machst, die Leute finden Dich niedlich und sind nett zu Dir. Du schläfst, du spielst ein bisschen und alles ist großartig. Doch dann kommt die Zeit in der ein Start-up groß wird – und sich Gedanken über die Größe seines Marktes machen muss“, mit diesem anschaulichen Bild hat Fritz Trott den häufig schmerzhaften Schritt von der Unternehmensgründung zur Marktreife des angebotenen Produktes zusammengefasst. Zu dieser Problematik konnten alle Panellisten aus eigener Erfahrung berichten. Dabei räumten sie auch mit dem Mythos auf, dass Start-ups oft „Geld verbrennen“. Vielmehr sei es notwendig, sein Geld gewinnbringend zu investieren. Das Ziel aller Start-ups sei klar: So schnell wie möglich profitabel werden!

Im dritten Panel wurde die Rolle von Politik und etablierten Unternehmen bei der Förderung von Start-ups thematisiert. Diskutanten waren Etienne Oudot de Dainville (Gesandter für Wirtschaftsangelegenheiten der Französischen Botschaft in Berlin), Pierre Zapp (Partner der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Mazars in Berlin und Vorstandsmitglied des DFWK) sowie David Barret (Director Business Development & Partnering bei Vattenfall). Der Moderator des Panels war Charles Michau (Manager bei Berlin French Tech). Pierre Zapp erläuterte, wie sehr etablierte Unternehmen von einer Kooperation mit Start-ups profitieren könnten und dabei vor allem von jungen Leuten lernten. Da 50 Prozent der Mitarbeiter von Mazars Teil der jungen „Generation Y“ seien, stütze sich Mazars auf diese jungen Kollegen für die digitale Transformation seines Geschäfts. David Barret machte in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass 90 Prozent aller DAX-Unternehmen bereits Programme zur Kooperation mit Start-ups aufgelegt hätten. Alle wollten aus deren Innovationsfähigkeit einen Nutzen ziehen. Etienne Oudot de Dainville betrachtete die Start-up Finanzierung in Deutschland und Frankreich im Vergleich zu den USA und stellte fest, dass es für Start-ups auf unserem Kontinent noch deutlich schwieriger sei, die notwendigen großen Investitionssummen zu erhalten. Um in Zukunft mehr Geld zur Verfügung zu stellen, regte er die Schaffung eines gemeinsamen Europäischen Fonds zur Innovationsförderung an.

 

Im Anschluss an diese Paneldiskussionen begann das Networking der Abendveranstaltung bei einem ausgezeichneten französischen Buffet – ganz nach gutem Brauch des DFWK.