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Zum ersten Mal haben der Deutsch-Französische Wirtschaftskreis (DFWK) und der Deutsch-Niederländische Businessclub Berlin (DNBC) auf Einladung der niederländischen Botschaft eine gemeinsame Veranstaltung organisiert. Neben dem gegenseitigen Kennenlernen wurde bei dem Event kontrovers über Themen diskutiert, die Europa heute bewegen – insbesondere den Datenschutz.
Zur Begrüßung stellte Alexandra Sierra, die Präsidentin des DNBC ihren Verein vor, der 2020 sein zehnjähriges Bestehen feiert. Ähnlich wie der DFWK verfolgt der DNBC das Ziel, die Beziehungen niederländischer und deutscher Unternehmen in der Region Berlin zu fördern. Der Präsident des DFWK, Joachim Bitterlich, bedankte sich anschließend für die gute Idee von Sierra, die Niederlande, Frankreich und Deutschland einander näherzubringen. Für Franzosen und Deutsche seien die Niederländer schließlich immer noch so etwas wie „der unbekannte Nachbar“. Dabei würde die Leistung der niederländischen Wirtschaft regelmäßig unterschätzt. „Wir können mehr von den Niederländern lernen, als wir denken“, schloss Bitterlich seine kurzes Einstiegswort.
Auch Bert de Wilde, erster Sekretär der Niederländischen Botschaft erinnerte in seiner Rede an die Notwendigkeit, in Europa gemeinsam zu agieren. Nicht nur sei Deutschland wichtigster Handelspartner der Niederlande, es brauche eine gemeinsame Position, um in Zeiten von Trump und dem Brexit Europa zu stärken.
In der anschließenden Podiumsdiskussion kamen Unternehmerstimmen aus den Niederlanden zu Wort. Jill Baehring von Privacy Company, einer auf die Umsetzung der europäischen Datenschutz Grundverordnung spezialisierten Compliance Firma und Nick Blom, Gründer und CEO der Firma Chatbanners.com, eines Live-Chat Anbieters, diskutierten über das Thema Datenschutz in Europa. Moderiert wurde die Diskussion von Alexandra Sierra. „Die Deutschen sind sehr kritisch, was Datenschutz angeht“, stellte Blom fest. „Die Niederländer sind hingegen sehr offen. Die Franzosen etwa in der Mitte“. Da auch einige Gäste kritische Fragen zum Thema Datenschutz stellten, erläuterte Baehring, dass die DSGVO den Datenschutz der Bürger stärke, aber auch die Aktivitäten der Unternehmen nicht gänzlich behindern wolle. Die Verordnung sei ein Kompromiss, mit dem manchmal beide Seiten unzufrieden seien.
Auf die Frage des DFWK- Vizepräsidenten, Dirk Schneemann, inwiefern sich Europa überhaupt noch die Hoheit über die Daten der eigenen Bürger sichern könne, wenn diese in den USA gespeichert würden, musste Baehring die ernüchternde Feststellung machen, dass dies meist nicht gelinge. Selbst Staatsverwaltungen wie die der Niederlande seien häufig auf amerikanische Service-Provider angewiesen, die Nutzerdaten in den USA speicherten. Blom zog daraus die kontroverse Schlussfolgerung, dass man gar nicht versuchen sollte, die eigenen Daten zu schützen. Dies sei schlichtweg unmöglich.
In seinem Schlusswort stellte Joachim Bitterlich die aktuelle Situation als Kontrollverlust dar, da die „Datenmacht“ nicht bei den Europäern liege. „Wir sind unter Kontrolle der Amerikaner und kommen unter die der Chinesen“. Unter diesen Bedingungen sei es schwierig, die Unabhängigkeit der europäischen Wirtschaft zu sichern, stellte Bitterlich nüchtern fest.
Die Veranstaltungsgäste beteiligten sich von Anfang an sehr angeregt an der Diskussion. Nach Ende des offiziellen Programms wurde bei leckeren Häppchen, Wein und niederländischem Bier weiterdebattiert.
Am Ende dieser ersten gemeinsamen Veranstaltung war klar, dass dies nicht nur „eine gute Idee“ war, sondern viel Potenzial für eine weitere Zusammenarbeit – wir werden Sie hierüber auf dem Laufenden halten.